Schweizer Aufnahmen (1909-1923)
Schweizer Aufnahmen – Enregistrements Suisses – Ricordi sonori Svizzeri – Registraziuns Svizras
Herausgegeben von Jürg Fleischer, Thomas Gadmer, Ricarda Liver, Raphaël Maître, Mario Vicari und Linda Grassi.
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien, Phonogrammarchiv der Universität Zürich.
Beschreibung
Die Edition «Schweizer Aufnahmen» enthält die ältesten Tonaufnahmen schweizerischer Mundarten aller vier Landessprachen (und einiger weniger verwandter Mundarten aus dem umliegenden Ausland) aus den Jahren 1909-1932. Die Sprachproben wurden mit einem Wiener Phonograph auf rund 200 Wachsplatten aufgenommen. Diese einmaligen historischen Tondokumente bilden den ältesten Teil der Sammlung des Phonogrammarchivs der Universität Zürich. Die erstmalige Herausgabe geschah in Kooperation mit dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.
Die Publikation besteht aus drei Teilen:
- Series 6/1 (6 CDs, deutsch): Aufnahmen aus den Kantonen AG, AI, AR, BL, BS, LU, SG, SH, SO, TG, ZH; Feldkirch (A).
- Series 6/2 (6 CDs, deutsch): Aufnahmen aus den Kantonen BE, FR, GL, GR, SZ, TI, UR, VS, ZG; Italien.
- Series 6/3 (3 CDs, français, italiano, rumantsch): Aufnahmen aus den Kantonen BE, GE, JU, NE, TI; Italia.
Den Audio-CDs jeder einzelnen Serie ist eine CD-ROM mit Abbildungen der Originalprotokolle beigegeben. Das Begleitheft umfasst sowohl leicht lesbare Neutranskriptionen mit Übersetzungen wie auch allgemeine Informationen zu Geschichte, damaligem Aufnahmeverfahren und Transkriptionsweise.
Diese Aufnahmesammlung finden Sie auch online auf SWISSUbase und auf Memobase.
Hörbeispiel Basel BS
Track: CD 1:2 "Schtùùrmnacht"
Aufnahme: 27. Dezember 1913
Sprecher: Wilhelm Bruckner, 43 Jahre, Professor an der Universität Basel
Transkription im Dialekt
Dèlfi, hèèrsch, wie wiescht der Schtùùrm duet suuse?
Loos, wie s pfift und blätscht, es duet aim gruuse!
Jeemer, wäär jètz no miesst dusse sii,
S druggt is sicher non e Schiiben ii!
Wie dä Schtròlch vo Schtùùrm die Baimli schittlet,
Wien er an de Fänschterlääde rittlet!
Dèlfi, sind ächt d Fänschter alli zue?
Isch ächt uf em Èschtrig alles gschlòsse?
Übersetzung ins Standarddeutsche
Dölfi, hörst du, wie wüst der Sturm sausen tut?
Hör, wie es pfeift und platscht, es tut einen grausen!
Herrje, wer jetzt noch draussen sein müsste,
Es drückt uns sicher noch eine Scheibe ein!
Wie dieser Strolch von Sturm die Bäumlein schüttelt,
Wie er an den Fensterläden rüttelt!
Dölfi, sind wohl die Fenster alle zu?
Ist wohl auf dem Estrich alles geschlossen?
Hörbeispiel Vicques JU
Track: CD 1:5 "Le corbeau et le renard"
Aufnahme: 15. Oktober 1922
Sprecher: Ernest Friche, 59 Jahre, Lehrer
Phonetische Transkription
əl kɾă æ pø lə ɾnɛ |
vĩ | mʊ̃ ptĕ | i t və ɾkũt'ɛ ən bæl iʃtw'ɛɾ | vĩ | t or'ɛ̃ | æ j æv'ɛ ən fwa ĩ kɾa æpul'ɪ ʃʏ ən bɾɛ̃s d ɛbɾ æv'o ĩ təɾkɔ̃ d fɔɾm'ædʒ də l bak
Übersetzung ins Französische
Le corbeau et le renard
Viens, mon petit, je vais (littéralement: je veux) te raconter une belle histoire, viens, tu entendras: il y avait une fois un corbeau perché sur une branche d'arbre avec un morceau de fromage dans le bec.
Hörbeispiel Cavergno TI
Track: CD 1:12 "La Parabola del figliol prodigo"
Aufnahme: 14. Dezember 1913
Sprecher: Emilio Zanini, 47 Jahre, Lehrer
Transkription im Dialekt
Lu fiöö pròdigh
Um dí, nòstru Signór l'a ċüntáu sǘ sta parábola. Séma na vòlta u i èra um pá, ch'èva düi tusö́i. Cu gröss l'èra m laurantóm ch'a rüzava da matígn tru nöcc, qualt invéce l'èra um tá catá, ch’a i piesgèva la ligría e lu béll timp.
Italienische Übersetzung
Il figliol prodigo
Un giorno, nostro Signore raccontò questa parabola: una volta c'era un padre che aveva due figli. Quello grande era un gran lavoratore che faticava da mattino fino a notte, l'altro invece era un cattivo soggetto, al quale piacevano l'allegria e il buontempo.
Hörbeispiel Surrein (Sumvitg) GR
Track: CD 2:2 "La catscha"
Aufnahme: 5. Juni 1916
Sprecher: Stanislaus Deplazes, 22 Jahre, cand. phil. (Romanist)
Phonetische Transkription
la 'katʃa |
'mincə nə'tsiun a entsa'nuə in vic k ɛi ɛŋkonu'ʃɛnts ʃkɔ 'patʁiə tʁaditsio'nala dilts ʃɲʊps | tiəʁ nus suʁsil'vants a 'mɛdəl 'kwɛlə ho'nuʁ | ʃ in fa entsa'nuə inə 'gʁondə tupə'dat | ʃə diən ints | ti pos 'ɛsəʁ in də 'mɛdəl | zuʁ dilts habi'tɔnts də 'kwɛʃtə və'ladə ʁə'kuentən ints də 'tʊtəs sɔʁts bʁə'vuʁəs
Übersetzung ins Standarddeutsche
Die Jagd
Jede Nation hat irgendwo ein Dorf, das als traditionelle Heimat der (besonders) Dummen bekannt ist. Bei uns Oberländern hat Medels diese Ehre. Wenn einer irgendwo eine grosse Dummheit anstellt, dann sagt man: du könntest (wörtl.: magst) einer von Medels sein. Von den Einwohnern dieses Tals erzählt man allerlei Heldentaten.
Die Publikation "Schweizer Aufnahmen" ist in unserem Webshop erhältlich.